
Am Fenster
Ein Rest vom Sommer hat sich im Hinterhof verfangen
ruht sich nun aus, geschützt vor Wind und Straßenlärm
als schaute der Oktober nicht herein
wärmt ein letztes Mal den zögerlichen Ahorn
der hat noch immer keinen Herbstton aufgelegt
doch Frucht und Blätter sind ihm schwer, sein Grün so müde
das späte Licht lässt Spinnenfäden glimmen
der Wein lehnt sich errötend an die Wand
die wilden Gänse lachen über uns und ziehen weiter.
Meine Ernte hängt dies Jahr nicht prall und satt im Baum
verrinnt an ruhelosem Tag in traumloser Nacht
doch ich weiß: Unter Schneehänden wird sie mir reichlich
wärmt mir die Finger in den Taschen wie Maronen
und bindet unverfroren Eisblumen zu einem Strauß.
Später, wenn die Sonne wieder steigt, wird von allem
eine Handvoll geblieben sein für die neue Saat.
Geklapper von Absätzen hallt herauf
rot müssen sie sein, denke ich.
Und wenn die Dämmerung wie Seide herabfällt
ist ein Sommer im Hinterhof verglüht.
© 2007 - zuletzt geändert von septembermond
Anfang