Daoismus

Daoismus

"Drei Männer stehen um ein großes Fass mit Essig herum. Jeder hat einen Finger in den Essig getaucht und davon probiert. Auf allen drei Gesichtern ist eine unterschiedliche Reaktion abzulesen. Da es sich bei dem Gemälde um eine Allegorie handelt, müssen wir zunächst wissen, dass die drei keine normalen Essigkoster sind, sondern die drei Lehren Chinas darstellen und dass der Essig die Essenz des Lebens versinnbildlicht. Die drei Weisen sind K'ung Fu-tse (Konfuzius), Buddha und Lao-tse, der Autor des ältesten noch existierenden Buches vom Tao. Der erste hat einen sauren Gesichtsausdruck und der zweite trägt bittere Züge, aber der dritte lächelt.

Konfuzius mutete das Leben eher sauer an. [...] Von Konfuzius ist das Wort überliefert "Wenn die Matte nicht gerade liegt, setzt sich der Meister nicht." Soviel als Hinweis, wie abgezirkelt es im Konfuzianismus zuging.

Buddha, die zweite Figur auf dem Bild, empfand das Erdenleben als bitter, voller Abhängigkeiten und Begierden, die nur Leiden bescherten. Nach seiner Sicht stellte die Welt überall Fallen und gaukelte Illusionen vor, sie war ein kreisendes Leidensrad für alle Kreaturen. Um Frieden zu finden, musste sich der Buddhist notwendigerweise aus der "Welt des Staubes" ins Nirwana erheben, wörtlich: in den Zustand der "Windstille". [...]

Nach Lao-tse hingegen konnte jeder allezeit die Harmonie finden, die von Natur aus und von Anfang an zwischen Himmel und Erde besteht, allerdings nicht durch Einhalten der konfuzianistischen Regeln. Wie er in seinem Tao Te King, dem "Buch vom Sinn und Leben", darlegt, ist die Erde im Grunde eine Reflexion des Himmels und den gleichen Gesetzen unterworfen - nicht den Gesetzen des Menschen. Diese Gesetze wirken sich nicht allein auf die Bahnen ferner Planeten aus, sondern auch auf das Treiben der Vögel im Wald und der Fische im Wasser. [...] Ob schwer oder leicht, nass oder trocken, langsam oder schnell, alles trägt seine eigene Natur bereits in sich, und Zuwiderhandeln verursacht Schwierigkeiten. Werden dem Ganzen von außen willkürlich abstrakte Gesetze übergeordnet, ist Kampf unvermeidlich. Nur dann wird einem das Leben sauer."

[aus: Benjamin Hoff, Tao te Puh. Synthesis Verlag 1984, S. 16f.] Buchbesprechung

Mich interessiert nicht der Daoismus als Religion, sondern ausschließlich der philosophische Daoismus. Und noch mehr als die Philosophie betrachte ich den gelebten Daoismus, eine Lebenseinstellung, besser: eine Haltung, die ich hier etwas näher bringen möchte.

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© 2006 - zuletzt geändert von septembermond

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