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Tao Te Puh

Tao Te Puh

Der Text ist eine Art Interpretation des Tao te king - immer auf lebenspraktische Situationen der Eltern-Kind-Beziehung bezogen. Eigentlich geht es dabei nicht um Eltern oder Kinder, sondern um eine Lebenseinstellung, eine Haltung. Man könnte sie an beliebigen Beispielen verdeutlichen, aber Kinder zu haben und zu erziehen ist eine außergewöhnlich intensive Erfahrung, bei der Selbstverständlichkeit und Ausnahmezustand eng beieinander liegen.

eim Lesen wiederholen sich die wenigen Grundprinzipien des daoistischen Wesens immer wieder:
- Taten statt Worte, Vorleben statt Vorschreiben
- Wertfreiheit
- Loslassen, gewähren lassen, nicht einmischen
- den Anderen von Anfang an als Gegenüber wahrnehmen

Alle vier Prinzipien ziehen sich durch das ganze Büchlein.
Vorleben statt Vorschreiben beinhaltet, dass ich nicht sage, was ich für richtig halte, sondern dass ich es tue. Dass ich Beispiel bin, ohne darauf zu bestehen, dass mein Kind mich nachahmt. Wir sind sehr auf Worte fixiert. Sobald Kinder beginnen, uns zu verstehen - und meist schon früher - , versuchen wir, ihnen alles zu erklären, unseren Standpunkt plausibel zu machen, sie zu etwas zu überreden. Dabei ist es vermutlich für mein Kind viel eindrucksvoller zu sehen, dass eine bestimmte Art von Leben mich glücklich macht.

Wertfreiheit meint, dass ich mein Kind nicht in einer Welt von Gut und Böse aufwachsen lasse, sondern es offen halte für Zwischentöne, für Zweifel, für einen eigenen Standpunkt.

Loslassen ist - wie in allen anderen Bereichen auch - sicher das Schwierigste. Wie soll ich mein Kind loslassen? Wie es einfach gehen lassen, machen lassen, gewähren lassen? Es manchmal fallen lassen, weinen lassen, es Fehler machen lassen und es ganz anders sein lassen?
Ein Freund sagte mir, mit der Geburt beginnt das Loslassen.

Mein Kind als Gegenüber. Auch jetzt schon; jetzt, da es noch so abhängig ist, so Teil von mir. Und das bedeutet nicht, dass ich mit ihm über meine Erziehung, über Verbote und Grundsätze diskutiere. Sondern, dass ich möglichst wenig in es projiziere, es eben nicht als Teil von mir sehe, sondern als etwas ganz eigenes.

Allen Prinzipien liegt zugrunde, dass ich mich mit mir selbst auseinandersetzen muss. So wie ich es auch ohne Kind tun sollte. Aber vieles wird nun deutlicher, manches auch schwieriger.

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© 2006 - zuletzt geändert von septembermond

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